Der germanische Mondkalender

Gelebtes germanisches Heidentum

Der germanische Mondkalender

Der germanische Mondkalender fußt auf einer einfachen Beobachtung: Unsere Vorfahren rechneten nach dem Mond.
In allen germanischen Sprachen ist „Monat“ eine direkte Ableitung von „Mond“. Die Lieder-Edda zeigt im Alvíssmál, welchen Namen die Álfar dem Mond geben: Ártala, der Jahrzähler.

Ártala - Jahrzähler - Der germanische Mondkalender

Was ein Lunisolarkalender ist

Der germanische Kalender ist ein Lunisolarkalender. Der Mond gibt den Takt: Jeder Monat beginnt mit der ersten sichtbaren Sichel nach dem Neumond. Ein Schaltmonat bindet ihn alle paar Jahre ans Sonnenjahr, damit die Monate nicht gegen die Jahreszeiten wandern. Alles hängt an einem einzigen Sonnenpunkt: der Wintersonnenwende. Der erste Neumond nach ihr eröffnet den Späten Jólmond, den ersten Monat des Jahres, und dessen Vollmond ist Jól.

Über die Jahre entsteht daraus ein Achtjahreszyklus (Oktaeteris) mit drei Schaltjahren. Die mittelalterlichen Quellen geben ihn im „alle neun Jahre“ von Uppsala und Lejre wieder (inklusive Zählung: alte 1 + neue 8 = 9). Alle Belege aus Tacitus, Beda, Grágás und Adam von Bremen stehen in der Vollversion unter germanischer Mondkalender.

Der Jahreskreis: drei Hauptfeste

  • Jól: Vollmond des Späten Jólmond, direkt nach der Wintersonnenwende. Das Mittwinterfest, dessen Name im nordischen Yule fortlebt und dessen Bräuche in unser Weihnachten eingeflossen sind.
  • Sumarmál: Vollmond des Ostermonds. Beginn des Sommerhalbjahres.
  • Winternächte (vetrnætr): Vollmond des Wintermonds. Beginn des Winterhalbjahres.

Dazwischen enthält der germanische Mondkalender weitere Blóts, Opfermahle: das Þorrablót im Tiefwinter, das Góiblót im Spätwinter, das Álfablót und das Dísablót im Herbst. Auf die Wintersonnenwende folgen die Rauhnächte, die Zwölf Nächte. Eine verbreitete Deutung sieht in ihnen die „überzähligen“ Tage zwischen Mond- und Sonnenjahr. Beda bezeugt die Mütternacht (Modranecht) um 725 für die Nacht vor dem 25. Dezember als ihren Auftakt.

Warum der germanische Mondkalender im Kopf nicht zu rechnen ist

Wer heute nach diesem Kalender leben will, stößt auf ein praktisches Problem. Neumond-Sichtung, Schaltjahr-Prüfung nach der Zwölf-Nächte-Regel, Vollmond-Termine der Jahresfeste, Sonnwenden: Auf Runenstäben (dem norwegischen Primstav) und in Klosterkalendern war das früher greifbar. Heute ist es Fleißarbeit. Die Ártala-App nimmt sie einem ab.

Der Ártala: vom Wandkalender zur App

Damian Haller druckte seit 2017 einen jährlichen Papierkalender nach dem lunisolaren System, ab 2020 mit den Monatsbildern von Nils Broß. Aus diesem Papier wurde ab März 2026 Software. Fachlicher Pate und gelegentlicher Ratgeber ist Andreas Zautner, dessen Buch Der gebundene Mondkalender der Germanen (Edition Roter Drache) die maßgebliche moderne Rekonstruktion ist.

Die App berechnet Mondphasen nach astronomischen Formeln lokal und funktioniert deshalb offline. Kein Feed, keine Werbung, keine ideologische Färbung. Sie zeigt die Monate mit dem eingeschobenen Schaltmonat, den Festkalender mit Vollmond-Terminen und ein Blót-Lexikon, in dem jeder Eintrag zwischen Quellenbefund, Rekonstruktion und Deutung trennt. Diese Trennung ist der Grund, warum der Eldaring die App satzungsgemäß empfehlen kann: Sie unterscheidet ein quellenbasiertes Werkzeug von Esoterik-Angeboten. Parallel zum gewohnten Datum zeigt sie die Holozän-Ära (H.E.): Man addiert 10.000 Jahre zur gregorianischen Jahreszahl und legt den Nullpunkt an den Beginn des Holozäns. Eine Zählung, die die Menschheitsgeschichte ohne christlichen Fixpunkt zählt.

Was Eldaring-Mitglieder davon habenFoto vom Tag der Vertragsunterzeichnung zwischen dem Vorstand des Eldaring und Damian Haller (Ártala - Jahrzähler)

Seit Mai 2026 besteht ein Kooperationsvertrag zwischen dem Eldaring e. V. und Ártala, unterzeichnet durch den Vorstand und Damian Haller zu Ostara in Witzenhausen. Der Verein unterstützt die Entwicklung mit einem Zuschuss und trägt sie über die Vereinskanäle mit. Im Gegenzug bekommen Vereinsmitglieder:

  • Vollzugriff 20€ günstiger: Der Jahrzähler gibt den Rabatt als Einmal-Code aus, den man im Web oder in der App einlöst.
  • Kostenlose Zugänge für Vorstand und Eldarat während ihrer Amtszeit auf Anfrage beim Jahrzähler.
  • Eldarat-Klapptexte im Festlexikon: Der Eldarat kann zu jedem Fest einen eigenen Zusatztext beisteuern, wenn gewünscht. So kommt die Vereinsperspektive in die App, getrennt vom quellenkritischen Grundeintrag.
  • Redaktionelle Anbindung an den Verein: Sachartikel zum Kalender erscheinen in der Vereinszeitschrift Herdfeuer; ein YouTube-Beitrag zur Entstehung ist in Planung.

Wo es weitergeht

Die App gibt es als Web-App, für Android und iOS. Wer sich mehr Kalenderwissen aneignen will, findet weitere Artikel auf jahrzaehler.de.
Der germanische Mondkalender und seine Grundlagen erklärt mit Quellen (Tacitus, Beda, Grágás, Adam von Bremen, dazu Zautner als moderner Aufbereiter) ist in der Vollversion zu finden unter der germanische Mondkalender – Grundlagen und Quellen.
Und für den Vereinsanschluss selbst: Eldaring-Mitgliedschaft.

Der germanische Mondkalender ist wieder lebbar.

 

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